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Gedenken an die verfolgten »Asozialen«

Arbeitskreis »Marginalisierte« und Stadthistoriker erinnerten an Insassen der Rummelsburger Arbeitshäuser Von Birgit v. Criegern Neues Deutschland, 28.01.2008

Gedenken an die verfolgten »Asozialen«

Titelbild "Wohnungslose im Nationalsozialismus"

Mit einem Rundgang an der Rummelsburger Bucht gedachte der Arbeitskreis »Marginalisiert – gestern und heute« am Sonnabend der sogenannten »Asozialen«, gegen die der NS-Staat genau vor siebzig Jahren die Verfolgungsaktion »Arbeitsscheu Reich« einleitete. Dafür hatten die Nationalsozialisten auch die Rummelsburger Arbeitshäuser genutzt, die im 19. Jahrhundert als erste Berliner Einrichtung zur geschlossenen Verwahrung von »Arbeitsscheuen« errichtet worden waren. Rund 40 Teilnehmer fanden sich zu dem Gedenk-Spaziergang ein.

»Wir wollen an die sogenannten Asozialen erinnern, die hier von den Nazis inhaftiert und in die KZ verschleppt wurden«, sagte Anne Allex von dem Arbeitskreis. 19 Arbeitshäuser waren hier 1877 errichtet und bis in die NS-Zeit genutzt worden. Heute sind viele der Backsteingebäude auf dem Gelände zwischen Hauptstraße und Uferpromenade noch erhalten. Die Wasserstadt GmbH stattete sie mit Eigentumswohnungen und Ateliers aus.

»Für 500 Menschen waren die Häuser im Kaiserreich vorgesehen, doch wurden diese bald mit mehr als 1000 Menschen überbelegt«, berichtete die Bezirksstadträtin für Kultur und Bürgerdienst Katrin Framke (für LINKE). Ziel war es, Tippelbrüder, Prostituierte, vermeintlich Arbeitsscheue oder Verwahrloste in der »Besserungsanstalt« von der Gesellschaft zu isolieren. Für die Insassen galt Arbeitszwang und ein streng kontrollierter Tagesablauf. »Die Nazi-Regierung nutzte dann die Arbeitshäuser, als Himmler 1938 mit der Aktion ›Arbeitsscheu Reich‹ ›psychisch abwegige‹ und ›gemeinschaftsfremde‹ Menschen verfolgen ließ«, berichtete der historische Forscher Thomas Irmer. Sie wurden mit Hilfe der Fürsorgeämter von Straßen und Schlafplätzen weg verhaftet und eingewiesen. Aus Rummelsburg wurden sie nach 1938 unter anderem in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und zu Tausenden ermordet. Die »Asozialen« stellten eine große Gruppe Verfolgter unter dem Faschismus dar – etwa 20 000 wurden unmittelbar nach »Arbeitsscheu Reich« in die KZ eingeliefert. Irmer geht von 70 000 KZ-Einweisungen bis zum Ende der NS-Herrschaft aus.

Doch fehle in der BRD noch immer eine öffentliche und historische Aufarbeitung der NS-Verfolgungsprogramme gegen »Asoziale«, sagte Autor und Sozialarbeiter Dr. Wolfgang Ayaß. Er referierte im Haus der Demokratie über sein Buch »›Asozial‹ im Nationalsozialismus«.

An der Rummelsburger Bucht gibt es derzeit nur eine kleine Informationstafel der Wasserstadt GmbH. Darauf heißt es eher beschönigend, die Häuser seien 1877 »aufgrund der sozialen Probleme« gebaut worden. Ein Verweis auf die NS-Vergangenheit fehlt.




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