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Aufruf

Zur Schaffung eines europäischen Ortes zum Erinnern und Nachdenken: „Kein Mensch ist asozial!“

Während des Nationalsozialismus wurden verschiedene Personengruppen per Gesetz als sogenannte Asoziale gebrandmarkt. Fürsorgeempfänger, arme Familien, „Nichtsesshafte“, Menschen mit Verhaltens- oder körperlichen Auffälligkeiten, Inhaftierte und so bezeichnete Arbeitsscheue gerieten wegen den rassenbiologischer Gesetze in den Fokus der Verfolgung der Reichsanstalt für Arbeit,von Fürsorgeämtern, Geheimer Staatspolizei, Kriminalpolizei und NS-Justiz.

 

 

Diese Verfolgungen, die bei den Wohnungslosen bereits vor 1933 einsetzten, gipfelten 1938 in repressiven Maßnahmen der Geheimen Staatspolizei und der Kriminalpolizei und sie führte 1942 zur Aktion gegen die „Sicherungsverwahrten“ der NS-Justiz.

 

Die sogenannten Asozialen wurden überwiegend in Konzentrationslagern inhaftiert, dort zur Zwangsarbeit gepresst und vernichtet oder in Heil- und Pflegestätten entmündigt, sterilisiert und vielfach vergast.

 

Aufgrund der intendierten Fremdzuschreibung der Eigenschaft „asozial“ und der so gewollten Gleichmachung mit Kriminellen haben sich von den einzelnen stigmatisierten Opfergruppen keine Kräfte zusammengefunden, die sich für die kollektive Rehabilitierung und Entschädigung einsetzen. Stattdessen herrschte allgemein die landläufige Auffassung vor, dass „Asoziale“ an ihrem Verhalten selbst schuld waren und daher keiner Rehabilitierung bedurften.

Als Arbeitskreises „Marginalisierte – gestern und heute!“ meinen wir, dass das Verhalten von Menschen keine Rechtfertigung ist für ihre Verfolgung und darauffolgende Deportation und Internierung in Konzentrationslager und für ihren massenhaften, industriell organisierten Mord.

 

Die Forschung zur NS-Opfergruppe „Asoziale“ steckt bundesweit in den Kinderschuhen. Die Spurensuche betreiben überwiegend Ehrenamtliche unterstützt von wenigen ForscherInnen und Institutionen. Für eine Befassung mit dieser Opfergruppe sehen Bund und Länder keinen Handlungsbedarf (BT-Drs. 16/94059). Die neue Gedenkstätten - Konzeption des Bundes (BT-Drs. 16/9875) enthält im Prinzip weder einen politischen Platz noch finanzielle Voraussetzungen, dieser Gruppe angemessen zu gedenken.

 

Die Nicht-Aufarbeitung der Schicksale sogenannter Asozialer fördert das Vergessen dieser NS-Opfer, unterstützt eine Entsorgung und enthistorisierende Luxus-Sanierung von Gebäuden, wie z. B. der Arbeitshäuser in Berlin Rummelsburg. Zudem leistet sie einem politischen wie auch gesellschaftlichen Wiederaufleben der Zuschreibung „Asozial“ auf Einkommensarme und/ oder Erwerbs- lose und die Zunahme der institutionalisierten Willkür gegen sie Vorschub.

 

Wir wollen der zunehmenden Diskriminierung, Ausgrenzung, Kriminalisierung, Verfolgungsbetreuung entgegenwirken, die nicht selten zu Verzweiflung und Tod von Einkommensarmen und Unangepassten führt.

 

In diesem Rahmen suchen wir die Zusammenarbeit mit europäischen Initiativen, um herauszufinden, ob in anderen faschistischen Diktaturen z. B. in Italien, Spanien oder in von den Nazis besetzten Ländern ebenfalls sogenannte Asoziale verfolgt, deportiert und/oder umgebracht worden sind, ob es in dieser Frage die Unter-stützung der Bevölkerung gab und in welchem Umfang Institutionen und Verwaltungen daran beteiligt waren.

 

Dazu suchen wir Ihre und Eure Unterstützung und Kooperation, um einen europäischen Ort des Erinnerns und Nachdenkens in Berlin zu schaffen, in deren Mittelpunkt die Verfolgung sogenannter Asozialer im NS-Staat steht. Dieser Ort soll einen musealen Gedenkort, einen Lernort, eine Begegnungsstätte sowie ein Studien- und Forschungszentrum umfassen. Auch schon vorhandenes Material, wie von Euch erstellte Dokumentationen, Recherchen, Ausstellungen etc., das Ihr uns zur Verfügung stellen würdet, nehmen wir gerne an.

 

AK „Marginalisierte – gestern und heute!“

Per Post bitte an: AK „ Marginalisierte – gestern und heute!“c/o Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin oder eMail unter http://marginalisierte.de/contact-info

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