Am Samstag den 9.6. führten wir unseren alljährlichen Gedenktag, der an die Aktion "Arbeitsscheu Reich" am 13.6.1938 erinnert, unter dem Motto: Zeit zu Handeln, bevor Geschichte sich wiederholt!, durch.

Am 13. Juni 2012 jährt sich zum 74. Mal die Durchführung der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ durch die Kriminalpolizei, die die offiziellen „Asozialenverfolgung“ durch das Nazi-Regime darstellte. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung sogenannter sozialer Randgruppen wie Obdachlose, Bettler_ innen, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma, Alkoholiker_innen …, die u. a. als „Unangepasste“, „Un- bzw. Minderwertige“, „Unnütze“, „Arbeitsunwillige“ bzw. „Volks- bzw. Gemeinschaftsfremde“ wurde legalsiert. Zehntausende wurden in dieser Aktion „Arbeitscheu Reich“ 1938 in Gewahrsam genommen und in Konzentrationslagern verbracht.

Die ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser stehen symptomatisch für eine ganze Reihe authentischer Orte von Naziverbrechen, die in den letzten Jahren durch Privatisierung und Kommerzialisierung entsorgt wurden.

In den Redebeiträgen am 9.6. wurden der auf den aktuellsten Stand des Gedenkens auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses und den neuesten Forschungsergebnissen wie die zur Zwangssterilisation von Asozialen im NS eingegangen.

Die Kategorie „asozial“ wurde in dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses nicht ausdrücklich erwähnt, wenn gleich es Mediziner gab, die sich dafür einsetzten

Wir fordern den Senat von Berlin und die politischen Verantwortliche des Bezirks Lichtenberg auf, die Opfer von Zwangssterilisationen in das geplante Gedenken auf dem Areal
der Rummelsburger Arbeitshäuser als einen Schwerpunkt mit Nennung aller der Namen der Zwangssterilisierten aufzunehmen.

Im Bund und den Länder regen wir an Forschungsmittel zur regional- und lokalgeschichtliche Forschung zur Verfügung stellen, um diese Forschungslücke für die vergessene Opfergruppe der „Asozialen“, die in den KZs mit dem Schwarzen Winkel gekennzeichnet waren, zu schließen.

Die Forschung zu der NS-Opfergruppe der „Asozialen“ befindet sich immer noch in den Anfängen. Wir fordern in  Berlin einen europäischen Ort des Erinnerns und Nachdenkens zu schaffen, in dessen Mittelpunkt die Verfolgung sogenannter Asozialer im NS-Staat steht - einen musealen Gedenkort, einen Lernort, eine Begegnungsstätte, ein Studien- und Forschungszentrum zur Geschichte der sozialen Ausgrenzung..

Unser Aufruf zum Gedenktag 13.6.12
http://bewegung.taz.de/termine/gedenktag-aktion-arbeitsscheu-reich-zeit-zu-handeln-bevor-geschichte-sich-wiederholt

Veranstaltung am morgigen Gedenktag:

13.6.12 im Haus der Demokratie, in Berlin, Greifswalder Str. 4 in Berlin-Prenzlauer Bergum 19 Uhr

Unrecht an Kindern und Jugendlichen von 1933 - 1945“ und „vergessene Opfer“ als Herausforderung der Erinnerungspolitik mit Eva Nickel von der Sozialabteilung der jüdischen Gemeinde Berlin

 Gina Pietsch hat einen deutlichen Standpunkt.