Veröffentlicht Ende Oktober 2015/ A.A.

 

Der Arbeitskreis "Marginalisierte - gestern und heute!"  lädt ein:

am Sa., 28.11.2015 14:00 Uhr - 17:00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin:

im Raum neben der Verwaltung VH, 1. Etage

Wie Begriffe posthum stigmatisieren

Lesung und Diskussion

 

Frau Lieske stolperte über einen Stein. Darauf sind
der Name, das Geburtsdatum, das Sterbedatum und der Todesort
ihrer Großmutter vermerkt - aber auch eine Zuschreibung
ihrer Großmutter, die sie wütend macht. Sie nimmt Kontakt
mit Günter Demnig auf und dringt auf die Änderung der
Aufschrift auf dem Stolperstein.

Frau Lieske hat das Leben ihrer Großmutter rekonstruiert
und berichtet über die Diskussionen, die es brauchte, um den
Stein des Anstoßes zu ändern.

Im Anschluss diskutieren wir über die Frage, warum

Verfolgten des Faschismus mit Begriffszuschreibungen
ihrer Täter gedacht wird, und wie das geändert werden kann.
Überlegt werden erforderliche Maßstäbe zu Inhalt und Form
der Erinnerung an so genannte Asoziale und so
genannte Kriminelle.

Musik: Thomas Vallentin (Gitarre, Vocal)

 

 

am So., 29.11.2015, 14:00 - 17:00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte,Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin


im Robert-Havemann - Saal, Eingang 1. Hof.

Als „Asozialer“ und „Krimineller“ im KZ 

Lesung und Diskussion

 

Für die bundesdeutsche Justiz saßen sie bis heute zu Recht in den KZ:
Menschen, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ vorgesehenen waren
und die von den Nazis als „Asoziale“ und „Kriminelle“ bezeichnet wurden.
Einer von ihnen, Ernst Nonnenmacher, wird in der Lesung vorgestellt.
Nach dem Kriege scheitert Ernst bei den Versuchen eine Anerkennung
für die zu Unrecht erlittenen Qualen zu erhalten und schweigt von da an
über die KZ-Zeit. Erst sehr viel später spricht er mit seinem Neffen
und auch mit Konstantin Wecker, der ihm ein Lied widmete.
Sein Neffe, Prof. Dr. Frank Nonnenmacher, Politikwissenschaftler
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, hat viele Jahre über ihn
und seinen eigenen Vater recherchiert und darüber das Buch "DU hattest es
besser als ICH. Zwei Brüder im 20. Jahrhundert" geschrieben.
Daraus trägt er uns vor.

Im Anschluss an die Lesung wird die Frage nachgegangen, warum bei den Gedenkfeiern die politische und mediale Öffentlichkeit die Opfergruppe der Menschen mit dem schwarzen und dem grünen Winkel weitgehend ignoriert und
welche Forderungen sich daraus an Medien und die Politik ergeben.

Der Kauf seines Buches ist möglich.

 

Musik: Ellen Meyer (Kora)



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Adresse: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin.

 

Der Raum neben der Verwaltung über Vordertür, Klingel Seminarraum zu erreichen.

Der Robert-Havemann-Saal über 1. Hof, Rampe zu erreichen.

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07.06. PM: Verfolgung und Ermordung sozial und rassistisch Ausgegrenzter im NS - Anerkennung als NS-spezifisches Unrecht, Rehabilitierung und Entschädigung Jetzt!

Anlässlich der Machtübergabe an die Nazis vor 80 Jahren sowie der Aktion "Arbeitsscheu Reich“ vor 75 Jahren fordern wir endlich die Anerkennung der Verfolgung, Zwangsmaßnahmen und Ermordung der unter dem Stigma „asozial“ stigmatisierten und kriminalisierten Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen als „NS-spezifisches“ Unrecht! Damit verbunden wäre die längst überfällige Rehabilitierung und Entschädigung der Betroffenen als klares Bekenntnis gegen soziale und rassistische Ausgrenzung sowie eine politisch motivierte, systembedingte Kriminalisierung von Armut Betroffener. Unrecht wird nicht weniger Unrecht, nur weil die Nazis den seit dem Kaiserreich und der Weimarer Republik geschaffenen Nährboden für ihre Verbrechen und deren Legitimierung nutzten oder weil diese nach 1945 weder aufgearbeitet, noch mit der Logik sozialer und rassistischer Ausgrenzung grundsätzlich gebrochen wurde.“ erklärt der Arbeitskreis „Marginalisierte-gestern und heute“. Der AK weiter:

Nicht nur aber insbesondere in Krisenzeiten oder im Wahlkampf wird die Konstruktion von Sündenböcken für alle gesamtgesellschaftlichen und sozialen Fehlentwicklungen betrieben, Ressentiments und Vorurteile bedient sowie verstärkt und Ängste geschürt. Dazu gehört auch die zunehmende, pauschale Zuschreibung negativer Eigenschaften auf ganze Bevölkerungsgruppen, wobei die Stimmungsmache gegen und Diskriminierung sowie Kriminalisierung von Roma, Muslim_innen, Asylsuchenden und/oder gleichzeitig Erwerbs- und Wohnungslosen wieder Hochkonjunktur hat. Ob als „integrationsunwillig oder -unfähig“, ob als „Einwanderer in die Sozialsysteme“, ob als so genannte „Wirtschafts- oder Armutsflüchtlinge“, ob als Kriminelle und „Terrorist_innen“ oder wie damals als „Sozialbetrüger_innen“, „Sozialschmarotzer“ oder „unproduktive Unterschichten“ verleumdet, kriminalisiert und gebrandtmarkt. Die fortgesetzte Entpolitisierung und               Entkontextualisierung durch die Verschleierung der politischen und systembedingten Ursachen, der Verursacher_innen und Profiteur_innen soll dabei dazu beitragen, dass einerseits den Betroffenen individuell und ganz alleine die Schuld zugeschrieben oder über eine vermeintliche Herkunft oder Religion die Schuldfrage ethnisiert bzw. kultur-religiös ummantelt werden kann. Der Rassismus in der Mitte der Gesellschaft sowie der derzeitige Rechtsruck kommen also nicht von ungefähr, wobei sich Teile der herrschenden Politik, ihrer Behörden und Teile der Medien und Gesellschaft als Stichwortgeber_innen oder durch die Übernahme von rechter Propaganda mit Neonazis die Bälle gegenseitig zuwerfen und den entsprechenden Nährboden bieten. Belege dafür sind nicht nur Gesetzesverschärfungen, ein Ausbau des Sicherheits-, Polizei- und Überwachungsstaates, die Einschränkungen von Bürger_innenrechten sowie verstärkte Repressionen und Sanktionen zur Bekämpfung der Symptome von Fehlentwicklungen sondern insbesondere die rassistischen Morde der NSU und ihres Umfeldes mit Unterstützung politisch und behördlicher Akteur_innen sowie die über 180 Opfer rechter und rassistischer Gewalt seit 1990. Darunter auch viele Wohnungslose.  

Damit muss Schluss sein!    

Morgen wird der Arbeitskreis sein alljährliches Erinnern und Gedenken an die Aktion „Arbeitscheu Reich“ vor 75 Jahren auf dem Areal der ehemaligen Arbeits- und Bewahrungshäuser ab 15.00 Uhr durchführen. Dabei wird die Forderung nach einem Gedenk-, Lern- und Forschungsort erneuert werden, der eine differenzierte und umfassende Aufarbeitung der Entwicklungen und Hintergründe der über einhundert Jahre langen Geschichte sozialer und rassistischer Ausgrenzung sowie ihrer Folgen für die Betroffenen aufarbeitet – mit Schwerpunkt auf die Singularität der Naziverbrechen und differenziert nach den verschiedenen Zeitepochen und Gesellschaftsformationen. Darüber hinaus soll dieser Ort dazu dienen, daraus Lehren zu ziehen, aktuelle Entwicklungen einer Repressions-, Sanktions-, Abschreckungs- und Unterordnungspolitik im Kontext heute weiter ausdifferenzierter sozialer und rassistischer Hierarchisierungen aufzuarbeiten und Handlungs- und Lernkonzepte zu entwickeln, die ein diskriminierungs-und repressionsfreies Miteinander               ermöglichen und soziale sowie rassistische Ausgrenzung an den systembedingten und -erhaltenden Ursachen bekämpfen.