Stummfilm-Matinee: "Vagabund"
von Fritz Weiss, A 1930, 49 Min.
| Was |
|
|---|---|
| Wann |
08.06.2008 von 12:00 pm bis 03:00 pm |
| Wo | Haus der Demokratie und Menschenrechte |
| Name | Lothar Eberhardt |
| Kontakttelefon | 0176 96503573 |
| Termin übernehmen |
|
Mit "Vagabund" nimmt sich der Regisseur Fritz Weiß der Menschen an, die sich für ein Leben auf der Straße entschieden haben. Der Film beginnt im Gestus einer neusachlichen Reportage - dokumentarischen Szenen, die mit inszenierten gemischt.
Ein toter Obdachloser gibt einem Journalisten Anlass zur Recherche. Das Material, welches er vom Fundort der Leiche mitbringt, ist Stoff für eine Artikelserie seiner Redaktion. Bei der Recherche in Asylen rücken Vagabunden und ihre Zeichen ins Visier des Journalisten. Weil der Zeitung der Ansatz des Redakteur zu theoretisch ist, lässt er sich die 'persönlichen Erlebnisse' eines jungen Österreichers, der in einer Runde von Vagabunden sitzt, erzählen. Dabei erfährt er etwas von den unzähligen Kilometern auf der Landstraße, von den Techniken der Erniedrigung der Mitmenschen, von der Willkür der Behörden, von der Befriedigung, an einer Weggabelung selbst entscheiden zu können, von Ausgelassenheit und vom Teilen, vom Verliebtsein und von Trennung, von ungehörten Hilferufen, von Wut und Ohnmacht und von Todesvisionen. Der Journalist hört zu, zeichnet auf, will neutral bleiben, sucht Ausgewogenheit. Seine Artikel werden ein Erfolg. Ihre Kraft liegen in der Kenntnisnahme, vielleicht im Mitleid und im Aufflackern einer Empörung, nicht in der Veränderung.
"Mit vielen kleinen Einfällen", so die Arbeiter-Zeitung im April 1930, "haben die Autoren Siegfried Bernfeld und Siegfried Walter Fischer und der Regisseur Fritz Weiß die Verachtung des Landstreichers für die satte Bürgerwelt und die Arroganz, Verlogenheit, Heuchelei der verkalkten Spießergesellschaft geschildert".
Obwohl im gleichen Jahr entstanden, lebt "Vagabund" von einem anderen Geist als der erste Internationale Vagabundenkongress, der Pfingsten 1229 in Stuttgart stattfand. Im Gegensatz zu ihm trägt er nicht die pathetische Züge der Selbstbestimmung und beschwört auch nicht den revolutionären Keim der Vagabundebbewegung. Vielmehr heftet er sich an Erscheinungen der Gegenwart von 1929. Eine wesentliche betrifft eine Ursache für das Leben auf der Landstraße: die Arbeitslosigkeit.
Einführung: Klaus Trappmann (Kurator der Ausstellung "Wohnsitz: nirgendwo - Vom Leben und Überleben auf der Straße", 1982, Bethanien Berlin-Kreuzberg)
Musikalische Begleitung: Georg von Weihersberg
Ort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin - Prenzlauer Berg
(Fahrverbindung: Tram 4, Bus 200/240)
Eintritt frei, um Spende wird gebeten
Beginn: 12.00 Uhr
Der Film wird in Vorbereitung zur Gedenktour zu den Berliner Asylen und den Spuren der staatlichen Fürsorge in der Weimarer Republik (15.6.08) gezeigt.
Weitere Informationen der bis zum 16. Juni laufenden Veranstaltungsreihe finden Sie unter: Generalstreik das Leben lang
Programmheft zu "Vagabund", Illustrierter Flm-Kurier, Wien 1930

